Regen

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Zärtlicher Regentag ohne Liebe.

Nur kleine Gesten der Freundlichkeit.

Dachten wir lange so lange Zeit,

Daß es für uns immer so bliebe,

Wie es begann: Haut liebt Haut.

Wissen wirs besser nun. Unvertraut

Ist schon das Begehren schweigend gescheut.

Rinnsal des Tages im Regen. Bereut

Sein die Stunden, die lieblos vergingen

Und dass wir uns nur zu selten umfingen,

Als die Liebe noch jung war und wir warn noch jung …

Zärtlicher Regen Erinnerung …

 

 

Eva Strittmatter

Aufbau Verlag, Berlin, Sämtliche Gedichte

 

 

 

Weide

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William Butler Yeats

Drunten beim Weidengarten

Drunten beim Weidengarten bot mir mein Lieb den Gruß
Glitt durch den Weidengarten mit kleinem weißem Fuß.
Sie hieß mich leicht zu lieben, wie’s Blatt am Baum gedieh
Doch ich war jung und töricht und dachte nicht wie sie.

In einem Feld am Strome mit meinem Lieb ich stand,
Und auf die Schulter legte sie mir die weiße Hand.
Sie hieß mich leicht zu leben, wie’s Gras am Ufer quoll
Doch ich war jung und töricht – bin nun von Tränen voll.

 

 

 

Veröffentlicht in Wort

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Ich gehe wieder auf Reisen

Mit meiner leisen

Gefährtin der Einsamkeit.

Wir bleiben zu zweien einsam

Und haben nichts weiter gemeinsam

Als diese Gemeinsamkeit.

Die Fremde ist Tröstung und Trauer

Und Täuschung wie alles. Von Dauer

Scheint Traum nur und Einsamkeit.

 

Mascha Kaléko

 

Weg

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Bewegung, Wegbereiter, Weggefährte, aus dem Weg gehen, Mittel und Wege finden, seinen/ ihren Weg machen, auf den Weg machen, wohin des Weges, halbwegs, eigene Wege gehen, keineswegs, geradewegs, verwegen, unterwegs, unwegsam, zu Wege bringen, Ausweg, im Wege stehen, ausweglos, seiner Wege ziehen, von wegen, in die Wege leiten, Umweg, neue Wege gehen, sich im Wege stehen.

Veröffentlicht in Wort

Worpswede

Und die Stunden gehen , und es gleicht keine der anderen. Und viele nahen, entfalten sich und schließen sich wieder, ohne dass jemand es sieht. Und man denkt manchmal, dass das die besten und seltsamsten sind, die am meisten Größe haben.

Rilke in Worpswede

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Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Hermann Hesse