Es ist möglich

dass wir uns erinnern und keinen Schaden nehmen.

Es ist möglich

dass wir lieben und wieder geliebt werden.

Es ist möglich

dass wir handeln und nicht fremdbestimmt werden.

Es ist möglich

dass wir träumen und nicht geträumt werden.

Es ist möglich

dass das Leben herrlich und schön ist.

 

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ENT

 

 

Durchreise

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Auf Durchreise hier
In Träumen bei dir
Zeit knapp gewählt
Verdichtet, erzählt
In Worten gemalt
Mit Leben bezahlt.

 

ENT

Regen

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Zärtlicher Regentag ohne Liebe.

Nur kleine Gesten der Freundlichkeit.

Dachten wir lange so lange Zeit,

Daß es für uns immer so bliebe,

Wie es begann: Haut liebt Haut.

Wissen wirs besser nun. Unvertraut

Ist schon das Begehren schweigend gescheut.

Rinnsal des Tages im Regen. Bereut

Sein die Stunden, die lieblos vergingen

Und dass wir uns nur zu selten umfingen,

Als die Liebe noch jung war und wir warn noch jung …

Zärtlicher Regen Erinnerung …

 

 

Eva Strittmatter

Aufbau Verlag, Berlin, Sämtliche Gedichte

 

 

 

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Ich gehe wieder auf Reisen

Mit meiner leisen

Gefährtin der Einsamkeit.

Wir bleiben zu zweien einsam

Und haben nichts weiter gemeinsam

Als diese Gemeinsamkeit.

Die Fremde ist Tröstung und Trauer

Und Täuschung wie alles. Von Dauer

Scheint Traum nur und Einsamkeit.

 

Mascha Kaléko

 

Worpswede

Und die Stunden gehen , und es gleicht keine der anderen. Und viele nahen, entfalten sich und schließen sich wieder, ohne dass jemand es sieht. Und man denkt manchmal, dass das die besten und seltsamsten sind, die am meisten Größe haben.

Rilke in Worpswede

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Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

Hermann Hesse

Am Sonntag

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Seid Idealisten bis ins Greisenalter.
Idealisten, die eine Idee verkörpern.
Dann habt Ihr gelebt.
Paula Modersohn-Becker

Januargedicht

Man muß weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest. Man muß den Atem anhalten, bis der Wind nachläßt und die fremde Luft um uns zu … Weiterlesen

Fragment

Ich liebe diese Stunde, die anders ist, kommt und geht. Nein, nicht die Stunde, diesen Augenblick liebe ich, der so still ist. Diesen Anfangs-Augenblick, diese Initiale der Stille, diesen ersten Stern, diesen Anfang. Dieses Etwas in mir, das aufsteht, wie junge Mädchen aufsteh’n in ihrer weißen Mansarde…

Diese Nacht, sie liebe ich. Nein, nicht diese Nacht, diesen Nachtanfang, diese eine lange Anfangszeile der Nacht, die ich nicht lesen werde, weil sie kein Buch für Anfänger ist. Diesen Augenblick liebe ich, der nun vorüber ist und von dem ich, da er verging, fühlte, daß er erst sein wird.

Rainer Maria Rilke “Fragment von den Einsamen”

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